Dieses Jahr begleitet INCUBO 2 Projekte in der entscheidenden Phase der Konzeptualisierung und ermöglicht es den Schöpfern, einen ersten Vorschlag in kurzer Form (20-40 min) zu präsentieren. Diese erste öffentliche Präsentation soll das Potenzial des Projekts im Hinblick auf eine zukünftige Form auf die Probe stellen.
Tanz
Die Bieler Tänzerin und Choreografin Rosine Ponti erforscht die Pose als Raum der Transformation, der Fiktion und der Entlarvung. Zwischen dekonstruiertem Laufsteg, physischem Solo und lebendiger Installation erscheinen Bilder des Weiblichen, nur um kurz darauf wieder aufzubrechen: Die Pose (posture) beginnt zu bröckeln, bis die Täuschung (imposture), die sie intim bedroht, sichtbar wird. Die hypnotische Klangwelt von Formen begleitet eine sinnliche Erfahrung, in der das scheinbar Kontrollierte überläuft und das scheinbar Konstruierte fragil und unkontrollierbar wird.
Besetzung
Weitere Partner: Théâtre du Jura und Capsule Academy
Rosine Ponti begann in Biel mit dem Tanzen und absolvierte eine Ausbildung in Ballett, zeitgenössischem Tanz, Hip-Hop und später House. Nach einem Ausbildungsaufenthalt am Broadway Dance Center in New York schloss sie sich 2016 der Compagnie Teki Tekua Junior an. Nach ihrem Abschluss an der HEP Delémont im Jahr 2019 setzte sie ihre Ausbildung an der Höheren Fachschule für Zeitgenössischen und Urbanen Bühnentanz fort, wo sie 2022 ihr Diplom erhielt.
Seitdem tanzt sie für verschiedene Kompanien und Choreografen in der Schweiz, darunter MIR, ONE, cie7273, PITT, Cantus Firmus und Del Rio. Im Jahr 2024 wird sie Co-Direktorin der Cie Capsule in Biel, wo sie Tanz- und Choreografieprojekte entwickelt. Zudem wirkt sie unter der Leitung von Alexander Ekman an der Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele in Paris mit.
Neben ihrer Bühnenarbeit leitet Rosine zahlreiche pädagogische Projekte und Kunstvermittlungsinitiativen für Kinder, Erwachsene und Laiengruppen.
Instagram: @rowse_p
Photos: ©Frédéric Palladino
Théâtre, marionnette
Um im Blick der anderen zu existieren, muss man sich manchmal eine andere Version seiner selbst erschaffen. Doch in welchem Maß schützt uns dieses Bild, indem es sich an unserer Stelle dem Blick der anderen aussetzt — und ab wann beginnt es, immer mehr Raum einzunehmen, bis es uns auf dem Altar der Sichtbarkeit opfert? Mal präsent, mal ausgelöscht, manipulierend oder manipuliert, bewegen sich die beiden Performer*innen durch einen instabilen Raum, in dem Identitäten sich verschieben, verdoppeln, annähern und gegenseitig durchdringen. Körper, Masken, Marionette und Klangkomposition formen eine verstörende Fabel, deren Orientierungspunkte ins Wanken geraten — in der das, was erscheint, sich genauso gut bereits wieder aufgelöst haben könnte.
Besetzung
Konzeption, Darsteller und Bühnenbild: Pascale Güdel, Julien Mégroz
Texte (Auszüge): Christophe Tarkos, Georges Aperghis, (in Arbeit)
Musik: Julien Mégroz
Externer Berater: Olivier Périat
Partner für Residenzprogramme: NEBIA und Résidence Artilac/QdB30
FRAKT’ wurde 2006 in Biel gegründet und hat zehn Produktionen vorzuweisen, darunter drei für ein junges Publikum. Das Verfassen von Bühnenstücken und die Adaption nicht-theatralischer Texte sind die Markenzeichen von FRAKT’, ebenso wie Produktionen, bei denen der musikalische Aspekt eine herausragende Rolle spielt. Freiheit und die Frage der Befreiung von verschiedenen Formen der Autorität sind wiederkehrende Themen. Die Ästhetik variiert je nach Thema.
Photos: ©Frédéric Palladino
Médiation, 30 min
Für die Ausgabe 2026 der INCUBATIONS lanciert INCUBO eine neue Reihe von Publikumsgesprächen, die dem kreativen Prozess gewidmet sind. Ein Begegnungsraum, um Werke genau dort zu befragen, wo sie sich noch im Entstehen befinden: Wo steht die Recherche gerade? Wohin möchte die Künstler*in die Arbeit weiterführen? Welche Intuitionen tauchen auf, welche Zweifel bleiben bestehen, welche Entscheidungen stehen noch bevor? Ein persönlicher Austausch mit den Künstler*innen von INCUBO, um das sichtbar zu machen, was die Bühne nicht immer preisgibt: die Unsicherheiten, Verschiebungen, Obsessionen und Fragen, die eine entstehende Arbeit durchziehen.